Poesie in tragbaren Stücken – Ausverkaufte Lesung im Kulturhof Velbrück in Metternich

Drei große rheinische Vertreter moderner Lyrik begeisterten bei der Lit.Eifel 2018 auf dem Kulturhof Velbrück in Weilerswist – Einfühlsame Pianoklänge zwischen wunderbaren Sprachbildern begeisterten vor vollbesetztem Auditorium

Weilerswist – Was ist der Unterschied zwischen Schriftstellern und Poeten? Die Grenzen sind fließend und Geschmackssache, doch der Lit.Eifel 2018 gelang es jetzt ohne jeden Zweifel, drei handverlesen gute moderne Lyriker zu einer Lesung im Kulturhof Velbrück in Weilerswist-Metternich zu versammeln. Die Veranstaltung war zu recht „Ein Abend für die Poesie“ überschrieben worden.

Vor prall gefülltem Auditorium begrüßten Nino Laufens vom Verlag Velbrück und die Weilerswister Bürgermeisterin Anna-Katharina Horst die Dichter Hartwig Mauritz, Frank Schablewski und Christoph Leisten im umgebauten, aber noch erkennbaren Ambiente einer Stallung des zum „Kulturhof“ umgebauten landwirtschaftlichen Gehöftes. Einfühlsam und unspektakulär leitete der junge Pianist Nico Schumacher zwischen den Gedichten mit Eigenkompositionen über.

Was auch nötig war, denn Lyrik in dieser Vielzahl und Fülle muss erst mal verstanden, nachgefühlt und wohl auch geistig „verdaut“ werden. Was nie und nimmer jedem für alle Gedichte und Sprachpirouetten des Abends gelungen sein kann. Aber jede der Zuhörerinnen und jeder der Literaturfans, die sich zur Lit.Eifel-Lesung versammelt hatten, wird etwas für sich und fürs Leben mitgenommen haben.

Drei Varianten mit den gleichen Wörtern

Nicht nur dieses, aber zum Beispiel das Meisterwerk „Spielraum“ des vielfach ausgezeichneten Frank Schablewski, auswendig und frei vorgetragen, dreimal mit den gleichen Wörtern, aber jeweils sprachlich variiert, unterschiedlich pointiert, mit anderer Betonung und anderem Sinn. Die Stimmung im Gedicht wandelt sich so hör- und spürbar von konfliktbeladen zu friedvoll. Das war große Dichtung und brillante Rhetorik.

Der „Abend für die Poesie“ war dreigeteilt. Erst lasen die drei Dichter, die auch gute Rezitatoren sind, Lyrik von Rose Ausländer, Dagmar Nick, Ernst Meister; Ingeborg Bachmann, Elisabeth Axmann und Tuvia Rübner. Dann kamen eigene Werke zum Vortrag aus der Feder des unter anderem mit dem „Dresdner Lyrikpreis“ ausgezeichneten Hartwig Mauritz, der mit dichterischen Streifzügen durch Eifel und Hürtgenwald im Nebel der lyrischen Abstraktion geographische Orientierung gab.

Zündend und variationsreich wie angedeutet die Gedichte Frank Schablewskis, facetten- und assoziationsreich die ungereimten Verse Christoph Leistens, seines Zeichens Germanist und Lehrer, Mitherausgeber der Zeitschrift „Zeichen & Wunder“ und stimmungsreicher Reiseprosaist über Nordafrika.

In einem dritten und letzten Teil versuchten sich die drei glänzend aufgelegten Poeten in einem Experiment, jeweils eigene Werke durch abwechselnden Vortrag miteinander zu verweben. So sollte der Beweis für die Eingangsthese des Abends erbracht werden, dass „Lyrik nicht am Schreibtisch entsteht, sondern im Netzwerk“.

Der Abend bot großartige Sprachbilder in einer kaum fassbaren Fülle, was es den Zuhörern nicht leichtmachte. Eine kleine Auswahl lässt das auch den erahnen, der im Stall des Kulturhofs Velbrück diesmal nicht dabei war.

Das Publikum war hörbar begeistert. Langanhaltender Applaus dankte den Poeten für einen trotz quantitativer Überfrachtung wunderbaren Abend. Und Bürgermeisterin Anna-Katharina Horst bedankte sich nachdrücklich für die kulturelle Bereicherung des Gemeindelebens durch ein neuerliches Gastspiel der Lit.Eifel in der nördlichsten Kommune des angezeigten Festivalgebietes.

pp/Agentur ProfiPress

Schablewski, Mauritz, Leisten
Drei rheinische Vertreter der modernen Poesie begeisterten in Weilerswist (von links): Frank Schablewski, Hartwig Mauritz und Christoph Leisten. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Poesie Auditorium
Das Publikum in einer früheren Stallung des Kulturhofes Velbrück in Metternich war hörbar begeistert. Langanhaltender Applaus dankte den Poeten für einen trotz quantitativer Überfrachtung wunderbaren Abend. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

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Update: Pressespiegel und Impressionen – Kulturfrühling in Weilerswist

Erste Pressestimmen und Impressionen (siehe unten) zum Kulturfrühling in Weilerwist, der heute abend, am Welttag des Buches, mit der Lesung von Ramona Raabe im Kulturhof Velbrück abschließt.

Impression von den Veranstaltungen:

Auftakt mit den Original Eifeler Alphornissen

Kurzreise durch 700 Jahre Weilerswist mit dem Geschichts- und Heimatverein Weilerswist e.V.:

Führung durch das Heimatmuseum Vernich:

Impressionen vom Hoffest:

»Kulturfrühling in Weilerswist« – Das Programm steht

Achtung, frische Kulturbrise: nur noch knappe 9 Tage, dann startet der 1. Weilerswister Kulturfrühling. Die Initiatorin des Kulturfrühlings, Leiterin des Kulturhof Velbrück Marietta Thien aus Metternich, stemmt im Schulterschluss mit vielen Kulturbegeisterten aus Weilerswist und vielen Ortsteilen ein vielfältiges Kulturangebot in der Woche vom 15. bis zum 23. April. Untenstehend finden Sie das Programm (PDF-Download).

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Jubiläumsfest der Gesamtschule Weilerswist mit Kulturprogramm

Update 07.09.2017: Fotos des Jubiläumsfestes finden Sie auf der Homepage der Gesamtschule.

Quelle: http://www.ge-weilerswist.de

Im Spätsommer dieses Jahres feiert die Gesamtschule Weilerswist ihr 25jähriges Jubiläum. Der Festakt wird am 01. September um 18 Uhr stattfinden, gefolgt von einem großen Schulfest am 02. September. Bei Wir in Weilerswist ist darüber ein schöner Bericht erschienen, der auch erste Details über das Tagesprogramm und andere Aktivitäten im Rahmen des Schuljubiläums enthält – unter anderem soll es einen eigenen Schulsong, eine Festschrift sowie einen Filmbeitrag der Schülerinnen und Schüler geben. Man darf also gespannt sein. Weiterlesen

Blick zurück: Gedenken an ermordete Weilerswister Juden

Vor der Shoa war jüdisches Leben in vielen, auch kleineren Gemeinden Deutschlands eine – wenn auch prekäre und häufig von antisemitischen Anfeindungen geprägte – Normalität. Weilerswist bildete dabei keine Ausnahme. So befand sich etwa in der Kölner Straße die Synagoge der jüdischen Gemeinde.

Der Nationalsozialismus setzte jedoch allen Hoffnungen der jüdischen Bürger auf ein gleichberechtigtes, angstfreies Leben ein grausames Ende. Während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden wie vielerorts in Deutschland auch in Weilerswist jüdische Geschäfte geplündert, Privathäuser zerstört und die örtliche Synagoge niedergebrannt, an deren alten Standort heute nur noch eine kleine Gedenkplakette erinnert.

Stolpersteinverlegung

Schon seit mehr als 10 Jahren versucht die Gesamtschule Weilerswist nun, dem Vergessen etwas entgegenzusetzen, zum Beispiel durch einen jährlichen Erinnerungsmoment am 09. Januar im Forum der Schule. Eine erste Aktion bestand 2008 in der Verlegung von Stolpersteinen durch den Kölner Künstler Gunter Demnig. Dafür wurde auch ein eigener Arbeitskreis gegründet. Zum Gedenken an die Familie Carl, die im Haus in der Kölner Straße 67 einen kleinen Betrieb unterhielt und deren Vorfahren schon seit 1750 in Weilerswist ansässig waren, wurden insgesamt vier Stolpersteine verlegt – für Bertha Carl, Johanna Leiser, Hermann Leiser und die siebenjährige Edith Leisner. Als Paten fungierten unter anderem die Schülerschaft der Gesamtschule Weilerswist und die Gemeinde Weilerswist. Im Kölner Stadt-Anzeiger wird das Schicksal der Familie Carl folgendermaßen geschildert:

1938 wohnten dort Bertha Carl, ihre Tochter Johanna Leiser, Hermann Leiser und die siebenjährige Edith, die als einziges jüdisches Mädchen die Volksschule in Weilerswist besuchte und eine hervorragende Schülerin war. In der Pogromnacht war die Familie nicht zu Hause, sondern bei Nachbarn. Sie erlebte von dort aus mit Schrecken, wie die Synagoge abbrannte, die sich nur wenige Meter neben ihrem Wohnhaus befand. Zuflucht fand die Familie, deren Haus ausgeplündert worden war, bei Verwandten in Drove bei Düren. Letzte Nachrichten gibt es aus dem Jahre 1942. Der Bruder Alfred Carl überlebte, weil er bereits 1939 mit seiner Familie ausgewandert war. Johanna Leiser war geblieben.

Insgesamt fielen 20 Weilerswister Bürger der Shoa zum Opfer. Die letzten Stolpersteine wurden 2013 in der Lommersumer Zunftgasse verlegt, diesmal zum Gedenken an die Mitglieder der Familie Stock, die, nachdem sie ihr Haus verkaufen mussten, erst nach Friesheim umzogen, dann von dort ins Sammellager Köln-Deutz verbracht und schließlich ins Vernichtungslager Maly Trostenez deportiert wurden, wo man sie schließlich ermordete. Helene Kürten, Mitglied des Arbeitskreises Stolpersteine, resümierte damals: »Mit den vier Stolpersteinen schließt sich der Kreis des Gedenkens an Weilerswister Juden, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen«.

Buchveröffentlichungen

Zusammen mit Margarete Siebert beschäftigt sich Helene Kürten schon seit vielen Jahren mit der Erinnerung an die ermordeten Juden aus Weilerswist und Umgebung. Bereits 1988 veröffentlichten beide das Buch Vergangenheit unvergessen, das 2008 in zweiter, erweiterter Auflage erschien und für das die Herausgeberinnen mit dem ›Rheinlandtaler‹ ausgezeichnet wurden. Es dokumentiert die Vertreibung und Vernichtung der Juden aus Weilerswist. Unter anderem wird der Antisemitismus in der Voreifel thematisiert sowie die von der Nazipropaganda zur »Reichskristallnacht« verharmlosten Vorfälle vom 09. November 1938 und die Schicksale der deportierten Juden. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit einzelnen jüdischen Familien, den zwei örtlichen jüdischen Friedhöfen in Groß-Vernich und Lommersum und rekapitulieren das Engagement der Gesamtschule bei der Erinnerungsarbeit. Das Buch ist heute noch über die Gebrauchtbuchportale online erhältlich. Möglicherweise befinden sich auch noch Exemplare im Besitz der Gemeinde oder einzelner Buchläden.

In diesem Kontext sind auch die Arbeiten von Hans-Dieter Arntz zu erwähnen, der sich als Regionalhistoriker schon seit längerer Zeit mit der Geschichte der Verfolgung der Juden in der Eifel beschäftigt. Unter anderem hat er ein vielbesprochenes Buch über den aus Flamersheim stammenden Josef Weiss geschrieben, der vier Monat sogenannter ›Judenältester‹ im Konzentrationslager Bergen-Belsen war und nach dem seit 2013 eine Straße in seinem Geburtsort benannt ist. Im September wird Arntz außerdem ein Buch »Zum Untergang des Judentums in der Eifel« veröffentlichen, das den Haupttitel Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille tragen wird.

Blick zurück: Weilerswister Schülerin belegt 6. Platz beim Bundeswettbewerb von »Jugend debattiert«

Zur Kultur gehört die Sprache, aber nicht nur im literarischen Sinne, sondern auch im Sinne der öffentlichen Rede und des gepflegten Streits. Wobei auch hier die Wege nicht allzu weit sind – man denke nur an das Theater der alten Griechen, die im Dialog der Protagonisten die Probleme ihres Gemeinwesens verhandelten. Nicht umsonst spricht man deshalb wohl von der Debattierkunst. Und diese wird auch in Weilerswist gepflegt. Erst knapp zwei Jahre ist es nämlich her, dass Viviane Schwedersky von der Gesamtschule Weilerswist sechstplatzierte Bundessiegerin bei »Jugend debattiert« geworden ist. Um auch diese Seite des Kulturlebens in Weilerswist und das Engagement der örtlichen Schulen einmal zu würdigen, spiegeln wir hier den damaligen Bericht der Gesamtschule Weilerswist:

»Bundesweit 200.000 Schülerinnen haben 2015 im Wettbewerb „Jugend debattiert“ diskutiert und debattiert. Anfang Mai hatte Vivi das Landesfinale NRW im Düsseldorfer Landtag gewonnen, nun ging es zum Bundesfinale nach Berlin. Dort trafen am Freitag, 26.6., 32 Landessieger in der Altersgruppe I (Klassen 8-10) aufeinander, aus jedem Bundesland zwei SchülerInnen. In acht Vorentscheidungen wurde debattiert, um die besten Vier zu ermitteln. Vivi debattierte zu dem Thema „Sollen Polizisten in Deutschland mit Körperkameras ausgestattet werden?“ so gut, dass sie mit ihrem sechsten Platz nur ganz knapp die Teilnahme an der Finaldebatte der letzten Vier verpasste. Wir freuen uns mit ihr, dass sie mit diesem sechsten Platz zu den BundessiegerInnen zählt und als „Alumna“ in das Förderprogramm von „Jugend debattiert“ aufgenommen worden ist. Das bedeutet, dass sie ab sofort als Gast an jedem Bundesfinale teilnehmen darf und auch weiterhin ihre Debattierkünste in verschiedenen Seminaren trainieren und verbessern kann.
Ganz entspannt konnte Vivi dann am Samstag (27.6.) im Haus des Rundfunks in Berlin der Finaldebatte zuhören: „Sollen sich Jugendliche unter 16 Jahren nur bis 23h im Freien aufhalten dürfen?“ Zu dieser kleinen Alltagsfrage entwickelte sich eine große Debatte, in der es um Freiheit und Sicherheit, um die Rolle des Staates und der Eltern, aber auch um die Individualität von Jugendlichen ging. Gewonnen hat dieses Finale dann Lotte aus Hamburg.
In einer Gesprächsrunde wurde noch einmal erwähnt, wie wichtig es für unsere Demokratie ist, wenn man lernt, Regeln auch im Streit einzuhalten und sich mit Worten auseinanderzusetzen: Man kann es auf die Formel „Wort – Widerwort – wieder Wort“ bringen. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brunhild Kurth aus Sachsen, betonte, wie wichtig es gerade für Jugendliche sei, die Demokratie zu nutzen. Die Teilnahme an „Jugend debattiert“ bilde dreifach, nämlich sprachlich, politisch und auch persönlich.«

Wussten Sie schon? Rockgeschichte in Weilerswist

Zugegeben, ein besonders schmeichelhaftes Bild von Weilerswist zeichnet der 2008 im Magazin K.West erschienene Artikel nicht. Wer darüber aber hinwegsehen kann und sich für deutsche und internationale Rockgeschichte interessiert, sollte trotzdem einmal auf den Link klicken. Der führt nämlich zu einem spannenden kleinen Portrait des Bassisten der Krautrockformation Can Holger Czukay. Dieser betrieb in Weilerswist in einem alten Kino ein Aufnahmestudio, das eine mehr als bewegte Geschichte aufzuweisen hat: Neben insgesamt acht Can-Alben wurden hier – unter anderem Namen und Eigentümer – auch Platten von Westernhagen, Trio und Element of Crime produziert. Legendär ist die Aufnahme von Stephan Remmler (Trio) und dem Weilerswister Männerchor.